Das Gitterbett wird zu eng, euer Kind klettert über die Stäbe oder möchte einfach «wie die Grossen» schlafen, und plötzlich steht die Frage im Raum: Kinderbett 70x140 oder 90x200? Viele Babybetten lassen sich zu einem Juniorbett umbauen, das auf den ersten Blick wie die günstige und logische Lösung wirkt. Ob sich der Zwischenschritt lohnt, hängt weniger vom Preisschild ab als von drei Faktoren: dem Alter und der Körpergrösse eures Kindes, dem Platz im Kinderzimmer und davon, wie ihr den Abend gestaltet. In diesem Ratgeber rechnen wir beide Varianten ehrlich durch, vergleichen Platzbedarf und Nutzungsdauer und zeigen, welche Fehler beim Umstieg besonders häufig passieren. So könnt ihr eine Entscheidung treffen, die nicht nur heute, sondern auch in fünf Jahren noch passt.
Die kurze Antwort: Ein Bett in 70×140 ist ein Übergangsbett, das die meisten Kinder bis etwa 4 bis 5 Jahre bzw. bis zu einer Körpergrösse von rund 110 bis 120 cm nutzen. Ein Bett in 90×200 kauft ihr dagegen einmal, und es begleitet euer Kind oft bis ins Jugendalter. Habt ihr bereits ein umbaubares Babybett, ist 70×140 als kurzer Zwischenschritt sinnvoll. Müsst ihr ohnehin neu kaufen und passt ein 90×200-Bett ins Zimmer, ist die grössere Variante für viele Familien auf lange Sicht die ruhigere und oft auch günstigere Lösung.
- 70×140 ist ein Übergangsformat: Nutzungsdauer meist nur 2 bis 3 Jahre nach dem Gitterbett.
- 90×200 ist das Standardmass für Einzelbetten und passt bis ins Jugend- und Erwachsenenalter.
- Zweimal kaufen (Juniorbett plus späteres grosses Bett) kostet über die Jahre oft mehr als einmal richtig kaufen.
- Der Platzunterschied beträgt rund 0,8 m² Bettfläche, im Zimmer spürbar, aber selten entscheidend.
- Ein grosses Bett mit erhöhten, gepolsterten Rändern kann das vertraute Nest-Gefühl aus dem Gitterbett erhalten.
Kinderbett 70x140 oder 90x200: die beiden Grössen im Überblick
Die Grösse 70×140 cm stammt aus der Babybett-Welt. Viele Gitterbetten haben genau dieses Liegemass, und einige Modelle lassen sich umbauen: Seitenteile ab, einzelne Stäbe heraus, und aus dem Babybett wird ein niedriges Juniorbett. Daneben gibt es eigenständige Juniorbetten in 70×140, oft mit Rausfallschutz und kindgerechtem Design. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Matratze ist schon vorhanden, das Kind kennt das Bett, und der Umstieg fühlt sich klein an.
Das Mass 90×200 cm ist dagegen das klassische Einzelbett, wie es auch Erwachsene nutzen. Für Kinder wird 90×200 meist als «grosses Bett» bezeichnet, weil es keinen weiteren Wechsel mehr braucht. Wer noch mehr Liegefläche möchte, etwa zum gemeinsamen Vorlesen, schaut sich zusätzlich 120×200 an. Die Unterschiede zwischen 90 und 120 cm haben wir im Artikel Kinderbett Grösse: 90 oder 120 cm ausführlich verglichen.
Wichtig für eure Entscheidung: Beide Grössen kommen frühestens dann in Frage, wenn euer Kind wirklich bereit für das Bett ohne Gitterstäbe ist. Das ist bei den meisten Kindern irgendwann zwischen 18 Monaten und 3 Jahren der Fall. Woran ihr den richtigen Moment erkennt, lest ihr in Wann ist mein Kind bereit für das grosse Bett?
Wie lange passt ein Bett in 70×140 wirklich?
Die Liegefläche von 140 cm klingt zunächst grosszügig für ein Kleinkind von 90 cm. Doch Kinder liegen selten gerade und still. Sie drehen sich, strecken die Arme über den Kopf, schlafen quer oder mit angezogenen Knien. Als grobe Faustregel gilt: Das Bett sollte etwa 20 bis 30 cm länger sein als das Kind. Bei 140 cm Liegelänge wird es deshalb bei einer Körpergrösse von etwa 110 bis 120 cm knapp. Das erreichen viele Kinder im Alter von 4 bis 5 Jahren, also ungefähr dann, wenn der Kindergarten beginnt.
Auch die Breite spielt eine Rolle. 70 cm reichen für ein schlafendes Kind, aber kaum für ein Kind plus Kuscheltiere plus Elternteil beim Gutenachtritual.
Umgebautes Babybett oder neues Juniorbett?
Ein umgebautes Babybett kostet praktisch nichts zusätzlich und ist deshalb oft eine gute Zwischenlösung. Die bestehende Matratze solltet ihr allerdings prüfen: Ist sie nach zwei Jahren durchgelegen, verfärbt oder riecht muffig, ist eine neue fällig. Ein neu gekauftes Juniorbett in 70×140 ist dagegen eine Investition für nur wenige Jahre. Hier lohnt sich die Frage, ob das Geld nicht besser direkt in ein Bett fliesst, das mitwächst.
Kostenrechnung: zweimal kaufen oder einmal?
Auf den ersten Blick wirkt 70×140 günstiger. Rechnet man die ganze Kindheit durch, sieht das Bild oft anders aus. Die folgenden Werte sind grobe Spannen für die Schweiz und hängen stark von Material, Marke und Kaufort ab. Sie sollen euch nur helfen, die Grössenordnung einzuschätzen.
| Posten | Weg über 70×140 | Direkt 90×200 |
|---|---|---|
| Bettgestell | ca. CHF 0 (Umbau) bis 500 für ein Juniorbett | ca. CHF 300 bis 1500 einmalig |
| Matratze | ca. CHF 80 bis 250 | ca. CHF 200 bis 700 |
| Bettwäsche (2 Sets) | ca. CHF 60 bis 150 | ca. CHF 80 bis 200 |
| Späterer Wechsel mit 4 bis 6 Jahren | nochmals Bett, Matratze und Wäsche: ca. CHF 500 bis 2000 | entfällt |
| Wiederverkauf | Juniorbett auf Tutti/Ricardo: meist nur ein Bruchteil des Neupreises | nicht nötig |
Die Rechnung zeigt: Wer ein umbaubares Babybett schon hat, fährt mit dem Zwischenschritt günstig. Wer hingegen ein neues Juniorbett und eine neue Matratze kauft, zahlt wenige Jahre später ein zweites Mal. Einmal in 90×200 zu investieren, ist deshalb häufig die ökonomischere Lösung, besonders wenn Bett und Matratze solide verarbeitet sind und 10 Jahre oder länger halten.

Platzbedarf: Passt ein 90×200-Bett ins Kinderzimmer?
Ein Bett in 70×140 belegt knapp 1 m², eines in 90×200 rund 1,8 m². Rechnet man den Rahmen dazu, kommen je nach Modell einige Zentimeter pro Seite hinzu. In einem typischen Kinderzimmer von 9 bis 12 m² ist beides problemlos unterzubringen. Knapp wird es vor allem in Altbauwohnungen, etwa in Zürich oder Basel, wo Kinderzimmer manchmal nur 7 oder 8 m² gross sind und Heizkörper, Fenster und Türen die Stellflächen einschränken.
Messt deshalb vor dem Kauf genau nach. Eine einfache Methode: Klebt die Umrisse des Bettes mit Malerkrepp auf den Boden und lasst sie ein paar Tage liegen. So seht ihr, ob Schranktüren noch aufgehen, ob die Spielfläche reicht und ob euer Kind vom Bett aus nicht direkt an eine Heizung oder ein Regal stösst.
Oft hilft es, das Bett längs an die Wand zu stellen und die Fläche darunter oder daneben clever zu nutzen, etwa mit flachen Aufbewahrungsboxen. Weitere Ideen findet ihr in unserem Beitrag Kleines Kinderzimmer einrichten: 7 Tricks für mehr Platz.
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Nest-Gefühl: Ist 90×200 zu gross für ein Kleinkind?
Die häufigste Sorge von Eltern lautet: «Unser Kind geht in einem so grossen Bett doch verloren.» Die Sorge ist verständlich. Im Gitterbett war die Welt überschaubar, rundum begrenzt und vertraut. Ein offenes 90×200-Bett ohne Ränder kann auf ein zweijähriges Kind tatsächlich ungewohnt weit wirken.
Entscheidend ist aber weniger die Grösse als die Gestaltung. Ein Bett mit erhöhten, gepolsterten Rändern schafft eine klare Begrenzung, ähnlich wie das Gitterbett, nur ohne Stäbe. Das vermittelt Geborgenheit und reduziert gleichzeitig das Risiko, im Schlaf über die Kante zu rollen. Warum weiche, organische Formen hier gegenüber einzelnen Schutzgittern Vorteile haben können, erklären wir in Rausfallschutz ohne Gitterstäbe.
Auch die Höhe zählt. Ein niedriges Bett, bei dem das Kind selbstständig ein- und aussteigen kann, stärkt das Gefühl von Selbstständigkeit. Zu Beginn helfen vertraute Dinge: die gleiche Bettwäsche, der gleiche Schlafsack oder die gleiche Decke und das Lieblingskuscheltier. Nach einer Eingewöhnung von meist ein bis drei Wochen schlafen die meisten Kinder im grossen Bett genauso ruhig wie vorher.

Vorlesen, Kuscheln, Mitliegen: der unterschätzte Vorteil
Das Gutenachtritual ist für viele Familien der schönste Moment des Tages. Und genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen den Grössen am deutlichsten. In einem 70×140-Bett ist Mitliegen kaum möglich: Erwachsene sitzen daneben auf dem Boden oder auf der Kante. In einem 90×200-Bett kann sich ein Elternteil zumindest seitlich dazulegen, ein Buch vorlesen und warten, bis die Augen schwer werden.
Das ist besonders in Phasen hilfreich, in denen Kinder mehr Nähe brauchen: nach dem Start in der Kita, bei einem Umzug, wenn ein Geschwisterchen kommt oder wenn das Kind nachts aufwacht und Trost sucht. Wichtig ist dann, dass Bett und Matratze das zusätzliche Gewicht eines Erwachsenen tragen. Prüft deshalb die Belastbarkeit, die der Hersteller angibt, und achtet auf einen stabilen Lattenrost.
Mitliegen soll keine Pflicht werden: Viele Eltern setzen sich nach der Geschichte auf einen Stuhl neben das Bett. Wie ihr den ganzen Umstieg plant, lest ihr im Ratgeber Vom Gitterbett zum Kinderbett in 5 Schritten.
Entscheidungshilfe nach Alter und Zimmergrösse
Keine Grösse ist per se richtig oder falsch. Die folgende Checkliste hilft euch, die passende Variante für eure Situation zu finden:
- Alter unter ca. 2 Jahren und umbaubares Babybett vorhanden: 70×140 als Zwischenschritt ist sinnvoll, sofern die Matratze noch in gutem Zustand ist. Plant den nächsten Wechsel aber schon ein.
- Alter 2 bis 3 Jahre, kein umbaubares Bett: Direkt 90×200 lohnt sich meist, weil ein neues Juniorbett nur wenige Jahre genutzt wird.
- Alter ab ca. 3 Jahren oder Körpergrösse über 100 cm: Ein 70×140-Bett wird bald zu kurz. Hier ist 90×200 fast immer die bessere Wahl.
- Zimmer unter ca. 7 m²: Genau ausmessen. Oft passt 90×200 trotzdem, wenn das Bett an der Wand steht und andere Möbel schlanker gewählt werden.
- Zimmer ab ca. 9 m²: 90×200 ist problemlos möglich. Wer viel gemeinsam liest oder mitliegen möchte, kann auch 120×200 prüfen.
- Geschwister im selben Zimmer: Zwei Betten in 90×200 brauchen Platz. Planen könnt ihr etwa mit einer L-Anordnung oder einem Bett längs unter dem Fenster.
Häufige Fehler beim Umstieg vom Gitterbett
Beim Wechsel ins erste grosse Bett passieren immer wieder ähnliche Fehler.
- Zu früh wechseln: Ein neues Bett löst keine Schlafprobleme. Solange euer Kind im Gitterbett gut schläft und nicht herausklettert, gibt es keinen Grund zur Eile.
- Nur auf den Anschaffungspreis schauen: Ein günstiges Juniorbett kann über die Jahre teurer werden als ein langlebiges grosses Bett, weil bald ein zweiter Kauf ansteht.
- Die alte Matratze unbesehen weiterverwenden: Nach zwei bis drei Jahren intensiver Nutzung lohnt sich ein kritischer Blick auf Kuhlen, Flecken und Geruch.
- Keinen Rausfallschutz einplanen: Gerade in den ersten Monaten rollen viele Kinder im Schlaf an die Kante. Ränder oder eine weiche Unterlage vor dem Bett schaffen Sicherheit.
- Zu viel gleichzeitig ändern: Neues Bett, neues Zimmer, Kita-Start und Abschied vom Nuggi in derselben Woche überfordern viele Kinder. Besser einen Schritt nach dem anderen.
- Das Kind nicht einbeziehen: Wer mitaussuchen darf, etwa die Farbe oder die Bettwäsche, freut sich meist mehr auf das neue Bett.

Häufige Fragen zu Kinderbett 70×140 oder 90×200
Bis zu welchem Alter passt ein Kinderbett 70×140?
Die meisten Kinder nutzen ein Bett in 70×140 bis etwa 4 oder 5 Jahre. Entscheidend ist die Körpergrösse: Ab rund 110 bis 120 cm wird die Liegefläche meist zu knapp. Kinder, die sich viel bewegen, stossen oft schon früher an die Grenzen.
Ab wann kann ein Kind in einem 90×200-Bett schlafen?
Ein Bett in 90×200 kommt in Frage, sobald euer Kind bereit ist, das Gitterbett zu verlassen, bei vielen Kindern zwischen 18 Monaten und 3 Jahren. Wichtig sind ein Rausfallschutz, eine niedrige Einstiegshöhe und eine passende Matratze. Für Babys ersetzt ein grosses Bett kein Gitter- oder Babybett.
Ist ein 90×200-Bett für ein Kleinkind nicht zu gross?
Viele Kleinkinder gewöhnen sich innerhalb von ein bis drei Wochen an das grössere Bett. Erhöhte, gepolsterte Ränder, vertraute Bettwäsche und Kuscheltiere geben Halt und Geborgenheit. Das Nest-Gefühl hängt stärker von der Gestaltung als von der Grösse ab.
Was ist auf lange Sicht günstiger: 70×140 oder 90×200?
Wenn ihr ein umbaubares Babybett schon besitzt, ist 70×140 als Zwischenschritt günstig. Müsst ihr hingegen ein neues Juniorbett mit Matratze kaufen, zahlt ihr einige Jahre später erneut für ein grosses Bett. Ein einmaliger Kauf in 90×200 ist deshalb häufig die wirtschaftlichere Lösung.
Wie viel Platz braucht ein Kinderbett 90×200 im Zimmer?
Die Liegefläche beträgt 1,8 Quadratmeter, dazu kommen einige Zentimeter für den Rahmen. In einem Kinderzimmer ab etwa 9 Quadratmetern passt das problemlos. In kleineren Zimmern hilft es, die Umrisse vorher mit Malerkrepp auf dem Boden zu markieren.
Kann ich die Matratze aus dem Babybett weiterverwenden?
Beim Umbau zum Juniorbett 70×140 ist das möglich, wenn die Matratze sauber, formstabil und ohne Kuhlen ist. Für ein Bett in 90×200 braucht es ohnehin eine neue Matratze in passender Grösse. Achtet dabei auf eine altersgerechte Festigkeit und einen waschbaren Bezug.








