Kaum ein Thema verunsichert Eltern so zuverlässig wie die Frage nach der richtigen Temperatur im Kinderzimmer. Die Grossmutter sagt, das Kind friere. Das Internet sagt, 18 Grad. Und ihr steht abends vor einem Kind, das sich im Schlaf komplett freistrampelt, während draussen der erste Frost liegt. Dazu kommt die Schweizer Realität: eine Altbauwohnung mit Einzelofenheizung, ein Dachzimmer, das im Juli auf 28 Grad klettert, oder ein Neubau, in dem die Bodenheizung im ganzen Stockwerk gleich eingestellt ist. Die gute Nachricht ist, dass die Raumtemperatur im Kinderzimmer zu den wenigen Schlaffaktoren gehört, die sich zuverlässig messen und steuern lassen. Wir zeigen euch, welche Werte gelten, wie ihr richtig messt und warum «zu warm» das grössere Problem ist als «zu kühl».
Die kurze Antwort: Zum Schlafen sind rund 18 Grad Celsius im Kinderzimmer ideal, ein Bereich zwischen 16 und 20 Grad ist völlig in Ordnung. Wichtiger als der exakte Wert ist, dass die Temperatur über die Nacht stabil bleibt und dass Kleidung, Schlafsack oder Decke dazu passen. Im Sommer lässt sich diese Marke oft nicht halten – dann geht es darum, das Zimmer unter 25 Grad zu bringen und leichter zuzudecken, nicht darum, die Zahl zu erzwingen. Ob euer Kind richtig temperiert ist, prüft ihr nicht an den Händen, sondern im Nacken: warm und trocken ist richtig, schweissnass ist zu warm, kühl ist zu kalt.
- Rund 18 °C sind die Empfehlung fürs Schlafzimmer, 16–20 °C ein guter Alltagsbereich.
- Überwärmung ist riskanter als eine etwas zu kühle Umgebung – offizielle Empfehlungen zum sicheren Babyschlaf raten ausdrücklich davon ab, zu warm zu betten.
- Der Nackentest schlägt jedes Thermometer: warm und trocken heisst richtig angezogen.
- Messt auf Betthöhe in der Zimmermitte, nicht am Heizkörper und nicht an der Aussenwand.
- Die Luftfeuchtigkeit gehört dazu: 40–60 % sind angenehm, unter 30 % wird die Heizungsluft im Winter zum Problem.
Warum die Raumtemperatur den Kinderschlaf steuert
Einschlafen ist physiologisch ein Abkühlvorgang. Am Abend gibt der Körper Wärme über Hände, Füsse und Kopf ab, die Kerntemperatur sinkt um einige Zehntelgrad, und genau dieses Absinken ist eines der Signale, die den Schlaf einleiten. In einem zu warmen Zimmer gelingt diese Abgabe schlechter: Das Kind wälzt sich, strampelt sich frei, wird unruhig. In einem zu kalten Zimmer passiert das Gegenteil – der Körper muss Wärme produzieren, und auch das stört den Schlaf, vor allem in den frühen Morgenstunden, wenn die Kerntemperatur ohnehin am tiefsten ist.
Kleine Kinder sind dabei im Nachteil: Ihre Körperoberfläche ist im Verhältnis zum Gewicht grösser als bei Erwachsenen, sie verlieren Wärme schneller, können aber gleichzeitig Hitze schlechter abgeben, weil ihre Schweissregulation noch nicht ausgereift ist. Das erklärt, warum ein Kleinkind in einem Zimmer, das euch angenehm warm vorkommt, schweissnass aufwachen kann. Wenn euer Kind nachts regelmässig hochschreckt, lohnt sich der Temperaturcheck, bevor ihr an der Routine schraubt – Hintergründe dazu findet ihr in unserem Beitrag dazu, warum Kinder nachts aufwachen.

Die richtige Temperatur nach Alter
Die Empfehlungen unterscheiden sich weniger nach Alter, als viele denken. Der grösste Unterschied liegt beim Säugling im ersten Lebensjahr, wo Überwärmung ausdrücklich vermieden werden soll. Ab dem Kleinkindalter gilt im Wesentlichen: kühl, aber nicht zugig.
| Alter | Empfohlene Nachttemperatur | Bettung | Worauf achten |
|---|---|---|---|
| 0–12 Monate | ca. 18 °C | Schlafsack, keine losen Decken und Kissen | Rückenlage, eigenes Bett im Elternschlafzimmer, nicht überwärmen |
| 1–2 Jahre | 17–19 °C | Schlafsack, langsam Übergang zur Decke | Freistrampeln ist normal, Schlafsack hält warm |
| 2–4 Jahre | 17–19 °C | Leichte Decke, dünner Schlafanzug | Lieber Zwiebelprinzip als eine dicke Schicht |
| 4–8 Jahre | 16–19 °C | Decke nach Jahreszeit | Kind darf selbst mitentscheiden, ob es die Decke braucht |
| Sommer, alle Alter | unter 25 °C anstreben | Nur Laken oder dünner Musselin | Tagsüber abdunkeln, nachts querlüften |
So messt ihr richtig
Ein Thermometer, das auf dem Heizkörper steht, misst den Heizkörper. Eines an der Aussenwand misst die Wand. Für den Wert, der für euer Kind zählt, braucht ihr drei Dinge: Der Messpunkt liegt auf Betthöhe, also ungefähr 30 bis 50 Zentimeter über dem Boden, er steht mindestens einen Meter von Heizung, Fenster und Tür entfernt, und ihr lest ihn nicht am Abend ab, sondern morgens um sechs. Denn die tiefste Zimmertemperatur der Nacht entsteht kurz vor Sonnenaufgang, und genau dann friert ein freigestrampeltes Kind.
Einfache analoge Thermo-Hygrometer für zehn bis zwanzig Franken reichen völlig. Wer es genauer mag, nimmt ein Gerät mit Minimum-Maximum-Speicher: Nach drei Nächten wisst ihr, wie stark euer Zimmer auskühlt. In Neubauten mit Bodenheizung schwankt die Temperatur meist nur um ein bis zwei Grad, in Altbauten mit Einzelöfen sind fünf Grad zwischen Abend und Morgengrauen nicht ungewöhnlich. Diese Spanne ist die eigentlich wichtige Zahl, nicht der schöne Wert um zwanzig Uhr.
Warum zu warm gefährlicher ist als zu kühl
Die offiziellen Empfehlungen zum sicheren Babyschlaf im ersten Lebensjahr nennen die Überwärmung neben der Bauchlage als einen der Punkte, die Eltern aktiv vermeiden sollten. Empfohlen werden die Rückenlage zum Schlafen, ein eigenes Babybett im Schlafzimmer der Eltern, ein Schlafsack statt loser Decken und Kissen und eine Raumtemperatur um 18 Grad. Ein überheiztes Zimmer plus dicker Schlafanzug plus zusätzliche Decke ist die Kombination, vor der gewarnt wird – nicht ein Zimmer, in dem es euch selbst frisch vorkommt.
Für ältere Kinder ist Überwärmung kein Sicherheitsthema mehr, aber weiterhin ein Schlafthema: Sie führt zu unruhigem Schlaf, zu mehr nächtlichem Aufwachen und morgens zu klebrigen Haaren und schlechter Laune. Der praktische Test bleibt in jedem Alter derselbe. Schiebt eure Hand in den Nacken oder zwischen die Schulterblätter des schlafenden Kindes. Warm und trocken ist richtig. Feucht oder heiss heisst: eine Schicht weniger. Kühl heisst: eine Schicht mehr. Kalte Hände und Füsse sind bei Kindern normal und kein Kältezeichen.

Schlafsack, Decke, Pyjama: die richtige Kombination
Die Zimmertemperatur allein sagt wenig – erst zusammen mit der Bettung ergibt sich das Schlafklima. Schlafsäcke tragen deshalb eine TOG-Angabe, die die Wärmedämmung beschreibt. Je tiefer die Raumtemperatur, desto höher der TOG-Wert. Als Faustregel gilt: Bei 16 bis 18 Grad passt ein Schlafsack mit 2,5 TOG plus langärmliger Schlafanzug, bei 19 bis 21 Grad 1,0 TOG plus kurzärmlig, bei über 24 Grad genügt 0,5 TOG oder nur ein Body.
| Zimmertemperatur | Schlafsack (TOG) | Schlafanzug | Alternative mit Decke |
|---|---|---|---|
| 24 °C und mehr | 0,5 | Body oder kurzärmlig | Musselintuch statt Decke |
| 21–23 °C | 1,0 | kurzärmlig | dünne Sommerdecke |
| 18–20 °C | 2,0–2,5 | langärmlig, dünn | Ganzjahresdecke |
| 15–17 °C | 2,5–3,5 | langärmlig, ggf. Socken | Winterdecke, Merinoschicht |
Wichtig: TOG-Angaben sind Richtwerte der Hersteller, keine Norm mit garantierter Vergleichbarkeit. Im ersten Lebensjahr gilt zudem, dass lose Decken und Kissen nicht ins Bett gehören – hier ist der Schlafsack die klare Empfehlung.
Sommer: Das Dachzimmer unter 25 Grad halten
An heissen Tagen sind 18 Grad nicht erreichbar, und das muss auch niemand versuchen. Realistisch ist, den Anstieg zu bremsen. Schliesst die Storen, sobald die Sonne auf das Fenster trifft, also je nach Ausrichtung schon ab zehn Uhr morgens – Verdunkelung hilft hier doppelt, weil sie Hitze und Licht zugleich aussperrt; wie das sauber gelingt, steht in unserem Beitrag zum Verdunkeln des Kinderzimmers. Lüftet erst, wenn die Aussentemperatur unter die Innentemperatur fällt, in der Schweiz meist nach 22 Uhr, und macht dann Durchzug durch zwei gegenüberliegende Fenster.
Ein Ventilator darf laufen, solange er nicht direkt auf das Kind zielt und nicht in Reichweite des Bettes steht. Verzichtet auf feuchte Tücher über dem Bett, die die Luftfeuchtigkeit hochtreiben – im Sommer ist feuchtwarme Luft unangenehmer als trockene Wärme. Und zieht das Kind lieber zu leicht als zu warm an: Ein Body oder nur die Windel bei 27 Grad ist richtig, nicht nachlässig.
Winter: Heizungsluft, Lüften, Luftfeuchtigkeit
Im Winter ist weniger die Temperatur das Problem als die trockene Luft. Sobald draussen Frost herrscht und drinnen geheizt wird, fällt die relative Luftfeuchtigkeit oft unter 30 Prozent. Trockene Schleimhäute machen anfälliger für Schnupfen, und ein Kind mit verstopfter Nase schläft schlecht. Angenehm sind 40 bis 60 Prozent. Erreicht wird das durch kurzes Stosslüften statt Dauerkippen, durch ein Gefäss Wasser auf dem Heizkörper oder, wenn nötig, durch einen Luftbefeuchter, der täglich gereinigt wird.
Lüften heisst im Winter: Fenster drei bis fünf Minuten ganz auf, Heizung vorher herunterdrehen, danach wieder einstellen. Ein dauerhaft gekipptes Fenster kühlt die Wände aus, erhöht die Heizkosten und bringt kaum Luftaustausch. Am besten lüftet ihr einmal direkt vor dem Zubettgehen – so beginnt die Nacht mit frischer Luft und einer Temperatur, die über die Nacht langsam abfällt, statt umgekehrt.
Häufige Fehler
Nach den Händen beurteilen. Kinderhände sind fast immer kühl. Das ist kein Grund für eine zusätzliche Decke.
Die Heizung nachts ganz abstellen. Das Zimmer kühlt dann in den Morgenstunden stark aus, und genau dann friert das Kind. Besser leicht absenken als abschalten.
Bett an die Aussenwand oder unters Fenster. Kaltluftabfall am Fenster und kalte Aussenwände sorgen für Zugluft auf Kopfhöhe. Die Innenwand ist fast immer die bessere Position.
Mehrere Schichten auf einmal ändern. Dickerer Schlafanzug, wärmerer Schlafsack und höhere Heizung gleichzeitig führen schnell zu Überwärmung. Immer nur eine Schicht anpassen.
Das Thermometer im Flur ablesen. Zwischen Flur und Kinderzimmer liegen im Winter oft drei bis vier Grad Unterschied.
Wenn das Kind trotzdem schwitzt oder friert
Manche Kinder schwitzen nachts stark, obwohl das Zimmer kühl ist und die Bettung stimmt. In den ersten Stunden nach dem Einschlafen ist das besonders häufig und meist harmlos, weil der Körper in der Tiefschlafphase Wärme abgibt. Hilfreich sind atmungsaktive Materialien: Baumwolle, Musselin oder Merinowolle statt Polyester, und ein Matratzenbezug, der Feuchtigkeit weiterleitet statt sie zu stauen. Kommt starkes Schwitzen zusammen mit Schnarchen, Atempausen oder auffälliger Tagesmüdigkeit vor, besprecht das bitte mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt.
Umgekehrt gibt es Kinder, die aus dem Schlafsack herauswandern und dann bei 17 Grad auf der blossen Matratze liegen. Hier hilft weniger eine wärmere Decke als ein Bett, das das Kind überhaupt im Bett behält: Ein niedriges Bett mit weichen, geschwungenen Seitenwangen hält das Kind sanft in der Mitte, statt es an eine harte Kante stossen zu lassen. Wer ohnehin am Schlafklima arbeitet, findet in unserem Überblick zum schlaffördernden Kinderzimmer die weiteren Stellschrauben.

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Häufige Fragen zur Raumtemperatur im Kinderzimmer
Wie warm soll das Kinderzimmer nachts sein?
Rund 18 Grad Celsius gelten als Richtwert, ein Bereich von 16 bis 20 Grad ist unproblematisch. Entscheidender als die genaue Zahl ist, dass die Temperatur über die Nacht stabil bleibt und dass Schlafsack oder Decke dazu passen.
Woran erkenne ich, ob meinem Kind zu warm ist?
Fühlt in den Nacken oder zwischen die Schulterblätter. Warm und trocken bedeutet richtig angezogen, feucht oder heiss heisst eine Schicht weniger. Kalte Hände und Füsse sind bei Kindern normal und sagen nichts über die Körpertemperatur aus.
Darf das Fenster nachts gekippt bleiben?
Besser nicht dauerhaft. Ein gekipptes Fenster kühlt die Wände aus, erzeugt Zugluft und tauscht trotzdem wenig Luft. Effektiver ist kräftiges Stosslüften direkt vor dem Zubettgehen, danach Fenster zu.
Wie hoch sollte die Luftfeuchtigkeit sein?
40 bis 60 Prozent sind angenehm. Im Winter sinkt der Wert durch die Heizung oft unter 30 Prozent, was trockene Schleimhäute begünstigt. Regelmässiges Stosslüften, ein Gefäss Wasser oder ein täglich gereinigter Luftbefeuchter helfen.
Was tun, wenn es im Sommer nicht unter 25 Grad geht?
Tagsüber konsequent abdunkeln, erst spätabends querlüften, leicht zudecken und dem Kind einen Body statt Schlafanzug anziehen. Ein Ventilator ist in Ordnung, solange er nicht direkt auf das Kind zielt und ausser Reichweite steht.
Soll ich die Heizung im Kinderzimmer nachts abdrehen?
Ganz abstellen ist selten sinnvoll, weil das Zimmer dann gegen Morgen stark auskühlt – genau dann, wenn das Kind sich freigestrampelt hat. Eine leichte Absenkung um ein bis zwei Grad reicht in der Regel aus.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine kinderärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden wendet euch an eure Kinderärztin oder euren Kinderarzt.








