Wer ein Kinderbett kaufen will, merkt schnell, wie gross die Auswahl ist: Hausbetten, Hochbetten, Juniorbetten, Polsterbetten, Modelle zum Ausziehen und unzählige Inserate auf Tutti oder Ricardo. Dazu kommen Fragen, die im Laden oft niemand klar beantwortet: Reichen 90 cm Breite? Wie hoch darf der Einstieg für eine Zweieinhalbjährige sein? Und woran erkennt man, ob Lack und Stoff wirklich unbedenklich sind? Das erste grosse Bett begleitet euer Kind im Idealfall sechs, acht oder sogar zehn Jahre, also deutlich länger als Wickelkommode oder Gitterbett. Ein Fehlkauf ist darum nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer und mühsam, gerade wenn das Bett erst in den vierten Stock einer Altbauwohnung getragen werden muss. In diesem Ratgeber gehen wir alle wichtigen Kriterien der Reihe nach durch, mit konkreten Massen, Preisspannen in CHF und einer Checkliste für den Kauf.
Die kurze Antwort: Achtet zuerst darauf, ob euer Kind bereit ist, und wählt dann die Liegefläche passend zu Zimmer und Alltag, meist 90×200 oder 120×200 cm. Entscheidend für die Sicherheit sind eine niedrige Einstiegshöhe, ein wirksamer Rausfallschutz und abgerundete oder gepolsterte Kanten. Bei Materialien helfen anerkannte Siegel wie OEKO-TEX oder FSC bei der Orientierung. Rechnet ausserdem Lattenrost und Matratze ins Budget ein und prüft Garantie, Rückgabe und Lieferung, bevor ihr bestellt.
- Der Wechsel ins grosse Bett passt meist zwischen 18 Monaten und 3 Jahren, wenn euer Kind die Anzeichen dafür zeigt.
- 90×200 cm spart Platz, 120×200 cm bietet Raum zum Mitkuscheln und für Gutenachtgeschichten.
- Eine Einstiegshöhe von rund 20 bis 35 cm und ein durchgehender Rausfallschutz machen die ersten Nächte entspannter.
- Siegel wie OEKO-TEX Standard 100 (Textilien) und FSC (Holz) geben Orientierung bei Schadstoffen und Herkunft.
- Plant für Bett, Lattenrost und Matratze zusammen realistisch CHF 400 bis 2000 ein, je nach Qualität.
Der richtige Zeitpunkt: Ist euer Kind bereit?
Bevor ihr euch mit Massen und Materialien beschäftigt, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf euer Kind. Ein Kinderbett ohne Gitter ist ein Schritt in Richtung Selbstständigkeit, und der sollte zum Entwicklungsstand passen, nicht nur zum Kalender. Viele Kinder wechseln zwischen etwa 18 Monaten und 3 Jahren. Typische Signale sind: Euer Kind klettert über das Gitter, stösst sich im Schlaf ständig an den Stäben, wirkt im Gitterbett eingeengt oder äussert selbst den Wunsch nach einem «grossen» Bett. Ein detaillierter Überblick steht in unserem Beitrag Wann ist mein Kind bereit für das grosse Bett?.
Ebenso wichtig ist das Timing im Familienalltag. Fällt der Wechsel mit dem Kita-Start, einer Geburt eines Geschwisterchens oder einem Umzug zusammen, kann das für ein Kleinkind viel Neues auf einmal sein. Wenn möglich, plant den Bettwechsel einige Wochen davor oder danach. Ein praktisches Beispiel: Kommt im März ein Baby und soll das Gitterbett weitergegeben werden, kann das grosse Bett schon im Dezember einziehen. So hat euer älteres Kind genug Zeit, sich einzugewöhnen, und verbindet das neue Bett nicht mit dem Gefühl, verdrängt zu werden. Babys unter etwa 18 Monaten gehören dagegen weiterhin in ein Gitter- oder Babybett.
Liegefläche: 90×200 oder 120×200 cm?
Die Grösse der Liegefläche ist die folgenreichste Entscheidung beim Kauf. Früher waren Juniorbetten mit 70×140 cm verbreitet. Sie sind günstig und kompakt, doch viele Kinder sind mit vier oder fünf Jahren schon herausgewachsen, und dann steht der nächste Kauf an. Wer langfristig denkt, greift deshalb meist zu Standardmassen, für die es auch Matratzen und Bettwäsche in jeder Preisklasse gibt.
90×200 cm: der Platzsparer
Ein 90 cm breites Bett passt auch in kleine Zimmer von 8 bis 10 m², wie man sie in vielen Stadtwohnungen findet. Es reicht einem Kind bis ins Jugendalter und lässt Raum für Spielteppich und Schreibtisch.
120×200 cm: das Familienbett im Kleinen
Mit 120 cm Breite können Mama oder Papa beim Vorlesen bequem mitliegen, und nach einem Albtraum ist Platz für zwei. Viele Eltern schätzen genau diese Flexibilität. Dafür braucht das Bett rund 30 cm mehr Zimmerbreite, und Matratze sowie Bettwäsche kosten etwas mehr. Eine ausführliche Entscheidungshilfe findet ihr im Artikel Kinderbett Grösse: 90 oder 120 cm.
Kinderbett kaufen: Sicherheit von Einstieg bis Kante
Bei einem Kleinkind zählt vor allem, dass es sicher hinein- und herausklettern kann. Eine Einstiegshöhe von etwa 20 bis 35 cm (Oberkante Matratze) hat sich bewährt: Euer Kind kann nachts selbstständig aufstehen, und ein Herausrollen endet aus geringer Höhe meist glimpflicher. Hochbetten und das obere Bett von Etagenbetten sind für Kleinkinder dagegen ungeeignet; die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU rät, oben erst ab etwa 6 Jahren schlafen zu lassen.
Der Rausfallschutz sollte mindestens das obere Drittel bis die Hälfte der Liegefläche abdecken und einige Zentimeter über die Matratze hinausragen. Klassische Lösungen sind Holzbalken oder Einhängegitter. Eine Alternative sind organisch geformte, gepolsterte Seitenteile, die das Kind umschliessen, ohne dass Arme oder Beine zwischen Stäben hängen bleiben. Mehr dazu lest ihr in Rausfallschutz ohne Gitterstäbe.
Prüft ausserdem die Kanten: Kleinkinder stolpern, rennen und hüpfen, auch rund ums Bett. Abgerundete Ecken oder eine Polsterung reduzieren das Risiko von Beulen am Kopf deutlich. Achtet auf fest sitzende Schrauben ohne vorstehende Teile, keine Kleinteile, die sich lösen lassen, und darauf, dass zwischen Matratze und Rahmen kein breiter Spalt entsteht.

Materialien, Schadstoffe und Siegel
Ein Kind verbringt in den ersten Lebensjahren rund 10 bis 13 Stunden pro Tag im Bett oder in seiner Nähe. Umso sinnvoller ist es, auf schadstoffarme Materialien zu achten. Bei Holzbetten sind Massivholz wie Buche, Birke oder Eiche sowie geölte oder wasserbasiert lackierte Oberflächen verbreitet. Spanplatten sind nicht grundsätzlich schlecht, sollten aber emissionsarm verarbeitet sein.
Siegel helfen bei der Einordnung, messen aber jeweils Unterschiedliches:
- OEKO-TEX Standard 100: Textilien und Bezüge wurden auf eine Liste von Schadstoffen geprüft.
- FSC oder PEFC: Das Holz stammt aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern; über Schadstoffe sagt das Siegel wenig aus.
- Blauer Engel: Umweltzeichen, das bei Möbeln unter anderem Emissionen berücksichtigt.
Ein praktischer Tipp aus dem Alltag: Riecht ein neues Bett beim Auspacken stark, stellt es wenn möglich einige Tage in einem gut gelüfteten Raum auf, bevor euer Kind darin schläft. Das gilt auch für Occasionen von Tutti oder Ricardo, bei denen ihr zusätzlich auf Risse, lockere Verbindungen und abgeblätterten Lack achten solltet. Fragt den Verkäufer ausserdem nach der Aufbauanleitung und fehlenden Schrauben.
Lattenrost und Matratze: das unterschätzte Duo
Viele Eltern konzentrieren sich auf den Bettrahmen und entscheiden sich bei der Matratze spontan. Dabei liegt euer Kind nicht auf dem Rahmen, sondern auf der Matratze. Kinder sind leicht und brauchen eine eher feste, punktelastische Unterlage, in der sie nicht einsinken. Zu weiche Matratzen können eine ungünstige Liegeposition fördern.
Beim Lattenrost genügt für Kinder meist ein einfacher Rollrost oder ein fester Rost mit 20 bis 28 Leisten. Die Abstände zwischen den Latten sollten nicht zu gross sein, damit die Matratze gleichmässig aufliegt und gut belüftet wird. Verstellbare Kopfteile sind bei Kindern selten nötig.
Bei der Matratze lohnen sich drei Fragen: Ist der Bezug abnehmbar und bei 40 bis 60 °C waschbar? Ist die Matratze wendbar, damit sie gleichmässig abnutzt? Und trägt sie auch einen Erwachsenen, der beim Vorlesen mitliegt? Taschenfederkern-Matratzen sind gut belüftet, was bei Kindern hilfreich ist, die nachts stark schwitzen. Eine Schlafzimmertemperatur von etwa 16 bis 19 °C unterstützt zusätzlich ein angenehmes Schlafklima. Plant für eine gute Kindermatratze in 90×200 cm grob CHF 150 bis 500 ein.
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Zimmergrösse, Aussenmasse und Stauraum
Die Liegefläche verrät noch nicht, wie viel Platz das Bett tatsächlich braucht. Gerade gepolsterte Betten oder Hausbetten mit Dach sind oft 10 bis 20 cm breiter und länger als die Matratze. Ein Bett mit 90×200 cm Liegefläche kann also gut 100×215 cm Stellfläche beanspruchen. Messt deshalb vor dem Kauf genau nach und beachtet Heizkörper, Fenstertüren, Dachschrägen und Steckdosen.
Ein Beispiel aus einer typischen Zürcher Altbauwohnung: Das Kinderzimmer misst 2,9 × 3,4 m, dazu kommt eine Tür, die nach innen aufgeht. Hier passt ein 120er-Bett nur an der Längswand, ohne dass der Schrank blockiert wird. Mit einem 90er-Bett bleibt dagegen Platz für eine Spielecke am Fenster. Zeichnet den Grundriss auf Häuschenpapier oder klebt die Aussenmasse mit Malerband auf den Boden, dann wird die Wirkung schnell sichtbar.
Schubladen unter dem Bett nehmen Spielsachen oder Bettwäsche auf, können aber die Belüftung der Matratze einschränken. Achtet auch auf Stufen und Kisten neben dem Bett, über die euer Kind nachts stolpern könnte. Weitere Ideen findet ihr in Kleines Kinderzimmer einrichten: 7 Tricks für mehr Platz.

Pflege, Garantie, Probeschlafen und Lieferung
Kinderbetten müssen einiges aushalten: verschüttete Milch, Filzstifte, Fieberschweiss oder eine ausgelaufene Windel. Bei Polsterbetten sollte der Bezug abnehmbar und waschbar sein, bei Holzbetten hilft eine robuste, abwischbare Oberfläche. Fragt nach Ersatzbezügen, falls ihr die Farbe später wechseln möchtet.
In der Schweiz gilt für Konsumentinnen und Konsumenten eine gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren. Ein gesetzliches Widerrufsrecht für Online-Käufe gibt es hingegen nicht. Ob ihr ein Bett zurückgeben könnt, hängt also von den Bedingungen des Händlers ab. Lest diese genau: Wie lange gilt die Rückgabe? Wer zahlt den Rücktransport? Muss die Originalverpackung aufbewahrt werden? Angebote mit mehrwöchigem Probeschlafen geben euch Zeit, zu beobachten, ob euer Kind sich wohlfühlt.
Bei der Lieferung zählt, ob der Händler in die ganze Schweiz liefert, ob Zoll und Mehrwertsteuer bei Bestellungen aus dem Ausland anfallen und ob das Paket bis in die Wohnung getragen wird. Ein grosses Bett aus dem Ausland kann durch Versand, Zollabwicklung und Rücksendekosten deutlich teurer werden als gedacht. Einen Überblick über Bezugsquellen bietet unser Artikel Kindermöbel Schweiz: Wo kaufen Eltern hochwertige Möbel?.
Budget und Kriterien im Überblick
Die Preisspannen in der Schweiz sind gross. Einfache Holzbetten aus dem Möbelhaus gibt es ab etwa CHF 150 bis 300, Designbetten und Polsterbetten liegen häufig zwischen CHF 600 und 1500 oder darüber. Occasionen kosten oft nur die Hälfte, bieten aber keine Garantie. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kriterien zusammen:
| Kriterium | Worauf achten? | Richtwert |
|---|---|---|
| Liegefläche | Zimmergrösse, Mitkuscheln, Nutzungsdauer | 90×200 oder 120×200 cm |
| Einstiegshöhe | Selbstständiges Aufstehen, geringe Fallhöhe | ca. 20–35 cm |
| Rausfallschutz | Abdeckung, Höhe über der Matratze, keine Klemmstellen | mind. obere Hälfte der Liegefläche |
| Kanten | Abgerundet oder gepolstert | keine spitzen Ecken |
| Materialien | Geruch, Oberflächen, Siegel | z. B. OEKO-TEX, FSC |
| Matratze | Fest, atmungsaktiv, waschbarer Bezug | ca. CHF 150–500 |
| Service | Garantie, Rückgabe, Lieferung | mind. 2 Jahre Gewährleistung |
Checkliste und häufige Fehler beim Kauf
Mit dieser Checkliste geht ihr strukturiert vor, egal ob im Möbelhaus in Dietikon oder beim Online-Bestellen am Abend:
- Anzeichen der Bereitschaft beobachten und einen ruhigen Zeitpunkt wählen.
- Zimmer ausmessen und Aussenmasse des Bettes mit Malerband markieren.
- Liegefläche festlegen: 90 oder 120 cm Breite.
- Einstiegshöhe, Rausfallschutz und Kanten prüfen.
- Materialien, Geruch und Siegel kontrollieren.
- Lattenrost und Matratze gleich mitplanen.
- Garantie, Rückgabe, Lieferkosten und Aufbau klären.
- Euer Kind bei der Farbwahl mitentscheiden lassen.
Häufige Fehler sind vor allem diese: ein zu kleines Juniorbett, das nach zwei Jahren ersetzt werden muss; eine alte, durchgelegene Matratze aus dem Keller; ein Hochbett für ein Kleinkind; und das Unterschätzen der Aussenmasse. Viele Familien vergessen zudem, das Kind einzubeziehen. Darf eure Tochter die Bettwäsche aussuchen oder beim Aufbau helfen, fällt der Umzug ins neue Bett oft leichter.

Häufige Fragen zum Kinderbett kaufen
Ab welchem Alter braucht mein Kind ein grosses Bett?
Viele Kinder wechseln zwischen etwa 18 Monaten und 3 Jahren. Entscheidend sind die Anzeichen, etwa wenn euer Kind über das Gitter klettert oder selbst nach einem grossen Bett fragt. Babys gehören weiterhin in ein Gitter- oder Babybett.
Ist 90×200 oder 120×200 cm die bessere Wahl?
Ein 90 cm breites Bett spart Platz und passt in kleine Zimmer. Ein 120 cm breites Bett bietet Raum zum Mitkuscheln und Vorlesen, braucht aber rund 30 cm mehr Zimmerbreite.
Wie hoch sollte ein Kinderbett für Kleinkinder sein?
Eine Einstiegshöhe von etwa 20 bis 35 cm hat sich bewährt. So kann euer Kind selbstständig aufstehen, und die Fallhöhe bleibt gering. Hochbetten eignen sich erst für ältere Kinder.
Welche Siegel sind beim Kinderbett sinnvoll?
OEKO-TEX Standard 100 steht für auf Schadstoffe geprüfte Textilien. FSC oder PEFC weisen auf Holz aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft hin. Der Blauer Engel berücksichtigt bei Möbeln unter anderem Emissionen.
Kann ich ein Kinderbett online zurückgeben?
In der Schweiz gibt es kein gesetzliches Widerrufsrecht für Online-Käufe. Ob eine Rückgabe möglich ist, hängt von den Bedingungen des Händlers ab. Prüft deshalb Rückgabefrist, Kosten und Probeschlafangebote vor der Bestellung.
Wie viel kostet ein gutes Kinderbett in der Schweiz?
Einfache Holzbetten gibt es ab etwa CHF 150 bis 300, hochwertige Polster- oder Designbetten kosten oft CHF 600 bis 1500. Rechnet zusätzlich Lattenrost und eine Matratze für etwa CHF 150 bis 500 ein.








