Zweimal im Jahr verschiebt eine einzige Stunde den ganzen Familienalltag. Für Erwachsene ist die Zeitumstellung eine Frage von zwei müden Tagen – bei Kindern hängt daran der komplette Rhythmus: Einschlafen, Aufwachen, Mittagsschlaf, Znüni, der Weg in die Kita. Wer einmal Ende Oktober um 5.45 Uhr mit einem hellwachen Zweijährigen im Wohnzimmer stand, weiss: Die Zeitumstellung trifft Kinder anders als uns. Aussitzen müsst ihr das nicht. Mit vier Tagen Vorlauf und ein paar bewussten Entscheidungen rund um Licht und Essenszeiten bleibt am Montag kaum etwas davon übrig. Dieser Artikel zeigt, was dabei im Körper eures Kindes passiert – und liefert einen Vier-Tage-Plan mit Uhrzeiten für beide Richtungen.
Die kurze Antwort: Beginnt vier Tage vor der Umstellung und verschiebt Zubettgehzeit, Weckzeit, Mahlzeiten und Mittagsschlaf täglich um 15 Minuten in die Richtung, in die die Uhr springt – im Frühling nach vorn, im Herbst nach hinten. Am Sonntag lebt ihr konsequent nach der neuen Uhrzeit und steuert über das Licht: im Frühling viel Morgenlicht, im Herbst ein dunkles Zimmer bis zur Zielweckzeit. Kleinkinder brauchen drei bis sieben Tage, Schulkinder oft nur ein bis drei.
- Schweiz: letzter Sonntag im März 02.00 → 03.00 Uhr, letzter Sonntag im Oktober 03.00 → 02.00 Uhr.
- Mit kleinen Kindern ist meist der Herbst schwieriger: Das Kind wacht gefühlt eine Stunde zu früh.
- Licht ist der stärkste Taktgeber der inneren Uhr, Essenszeiten sind der zweitstärkste.
- Der sanfte Weg: vier Tage lang je 15 Minuten verschieben, inklusive Mittagsschlaf und Mahlzeiten.
- Realistisch sind drei bis sieben Tage bei Kleinkindern, ein bis drei bei Schulkindern.
Wann in der Schweiz umgestellt wird – und welche Richtung schwieriger ist
Die Schweiz folgt demselben Rhythmus wie die EU. Am letzten Sonntag im März springt die Uhr nachts um 02.00 Uhr auf 03.00 Uhr: Die Sommerzeit beginnt, die Nacht ist eine Stunde kürzer. Am letzten Sonntag im Oktober geht es um 03.00 Uhr zurück auf 02.00 Uhr, die Nacht ist eine Stunde länger.
Unter Erwachsenen gilt der Oktober als der angenehme Termin. Mit einem Kleinkind im Haus ist es umgekehrt. Ein Kind, das zuverlässig um 6.45 Uhr wach wird, wacht auch in dieser Nacht zu seiner gewohnten inneren Zeit auf – nur zeigt die Uhr jetzt 5.45 Uhr. Die geschenkte Stunde landet nicht im Bett, sondern im Wohnzimmer. Und der ganze Tag rutscht mit: Mittagsschlaf und Abendessen kommen zu früh, um 19.30 Uhr ist das Kind überdreht.
Im Frühling ist das Problem der Abend. Bringt ihr euer Kind um 19.30 Uhr neue Zeit ins Bett, ist es körperlich erst 18.30 Uhr. Der Schlafdruck reicht noch nicht, und aus zehn Minuten Einschlafen werden vierzig.
Warum die Zeitumstellung Kinder stärker trifft als Erwachsene
Im Gehirn sitzt eine innere Uhr, die den Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Ihre Eigenperiode liegt bei den meisten Menschen leicht über 24 Stunden, sie muss also täglich nachgestellt werden – vor allem über das Licht, das die Augen erreicht.
Kinder haben diesen Rhythmus stabiler getaktet als wir und weniger Möglichkeiten, ihn zu überspielen. Erwachsene trinken Kaffee oder schlafen am Wochenende vor; ein Dreijähriges kann das nicht. Bei kleinen Kindern baut sich der Schlafdruck zudem schneller auf, und das Fenster zwischen «müde und bereit» und «übermüdet und aufgedreht» ist schmal. Eine Verschiebung von 60 Minuten reicht, damit ein Kind dieses Fenster verpasst – mit langem Einschlafen, mehr Weinen oder frühem Erwachen als Folge.
Die Studienlage ist überschaubar und die Effekte sind klein: Untersuchungen finden in den Tagen danach etwas kürzeren und unruhigeren Schlaf, der sich meist innerhalb einer Woche einpendelt. Wie viel Spielraum euer Kind hat, hängt auch davon ab, wie viel Schlaf es in seinem Alter braucht.

Licht und Essenszeiten: die zwei stärksten Taktgeber
Licht ist der mit Abstand stärkste Taktgeber, und entscheidend ist der Zeitpunkt: Licht am frühen Morgen zieht die innere Uhr nach vorn – das Kind wird abends früher müde und morgens früher wach. Licht am späten Abend schiebt sie nach hinten. Genau das nutzt ihr, je nachdem, wohin die Uhr springt.
Wichtig ist dabei die Lichtstärke draussen: Selbst an einem bedeckten Novembermorgen ist es im Freien um ein Vielfaches heller als in einer gut beleuchteten Wohnküche. Zwanzig Minuten Spielplatz oder Weg zur Kita wirken stärker als jede Deckenlampe.
Der zweitstärkste Hebel sind die Essenszeiten. Der Stoffwechsel hat eigene Taktgeber, und ein Frühstück zur neuen Uhrzeit ist ein klares Signal. Verschiebt also nicht nur die Bettzeit, sondern Frühstück, Znüni, Mittagessen, Zvieri und Abendessen gleich mit. An dritter Stelle steht Bewegung: Aktivität am Vormittag hilft im Frühling, Aktivität am späten Nachmittag im Herbst.
Verdunkeln im Sommerhalbjahr, Morgenlicht im Winterhalbjahr
Nach der Frühjahrsumstellung ist es abends um 19.30 Uhr noch hell, und bis in den Juni hinein wird es schlimmer. Eine echte Verdunkelung – bodenlang, seitlich dicht, ohne Lichtspalt am Rand – ist dann das wirksamste einzelne Hilfsmittel, abends wie morgens. Wie ihr ein Zimmer wirklich dunkel bekommt, steht im Beitrag zum Verdunkeln des Kinderzimmers.
Nach der Herbstumstellung dreht sich die Logik um: In den ersten drei bis vier Tagen haltet ihr das Zimmer morgens dunkel bis zur Zielweckzeit. Danach gilt das Gegenteil, denn von November bis Februar bekommen Kinder oft zu wenig Tageslicht.
Drei Strategien im Vergleich – und welche zu eurem Kind passt
Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt vom Alter, vom Temperament und davon ab, wie viel Struktur euer Familienalltag gerade verträgt. Alle drei führen ans Ziel, sie unterscheiden sich nur darin, wann ihr die Arbeit leistet: vorher, gar nicht oder danach.
| Strategie | So geht sie | Passt zu | Aufwand |
|---|---|---|---|
| 1. Gar nichts tun | Ab Sonntag konsequent nach der neuen Uhrzeit leben und in drei bis fünf Tagen nachjustieren. | Flexiblen Schläfern, Kindern ohne Mittagsschlaf, Schulkindern ab etwa 6 Jahren | Gering |
| 2. Sanft verschieben | Vier Tage vorher beginnen und täglich alles um 15 Minuten verschieben: Bett, Wecken, Essen, Mittagsschlaf. | Kindern unter 4 Jahren, rhythmusabhängigen Kindern, Frühaufwachern im Herbst | Mittel bis hoch |
| 3. Danach gegensteuern | Nichts vorbereiten, aber ab Sonntag gezielt mit Licht, Bewegung und festen Essenszeiten arbeiten. | Familien mit unplanbaren Wochenenden, Kindern von etwa 4 bis 6 Jahren | Gering bis mittel |
Unsere Empfehlung: Für Kinder unter drei Jahren und für alle, die im Herbst ohnehin zu den Frühaufwachern gehören, lohnt sich Strategie 2. Ab dem Kindergartenalter reicht meist Strategie 3, Schulkinder kommen fast immer mit Strategie 1 durch. Und wenn die Vorbereitung bei euch mehr Stress erzeugt, als sie löst, ist das Weglassen die bessere Entscheidung: Ein entspannter Sonntag wirkt mehr als ein perfekt eingehaltener Plan.
Der Vier-Tage-Plan mit konkreten Zeiten
Die Pläne gehen von einem typischen Kleinkind-Rhythmus aus: Mittagsschlaf ab 12.30 Uhr, Zubettgehen 19.30 Uhr, Wecken 6.45 Uhr. Rechnet eure eigenen Zeiten um, die Schrittgrösse von 15 Minuten bleibt. Welche Zubettgehzeit zum Alter passt, zeigt unsere Tabelle zur Zubettgehzeit.
Frühling: die Uhr springt vor
Am Samstag landet ihr bei einer Bettzeit von 18.30 Uhr. Das fühlt sich früh an, ergibt aber nach dem Sprung der Uhr genau die gewohnten 19.30 Uhr.
| Tag | Mittagsschlaf (Beginn) | Zubettgehen | Wecken |
|---|---|---|---|
| Mittwoch (4 Tage vorher) | 12.15 | 19.15 | 6.30 |
| Donnerstag | 12.00 | 19.00 | 6.15 |
| Freitag | 11.45 | 18.45 | 6.00 |
| Samstag | 11.30 | 18.30 | 5.45 |
| Sonntag (neue Zeit) | 12.30 | 19.30 | 6.45 |
Herbst: die Uhr springt zurück
Hier zieht ihr den Rhythmus nach hinten, damit euer Kind am Sonntag nicht um 5.45 Uhr wach im Bett sitzt. Länger aufbleiben fällt vielen Kindern leichter als früher hingehen – es braucht abends nur genug Licht und Beschäftigung.
| Tag | Mittagsschlaf (Beginn) | Zubettgehen | Wecken |
|---|---|---|---|
| Mittwoch (4 Tage vorher) | 12.45 | 19.45 | 7.00 |
| Donnerstag | 13.00 | 20.00 | 7.15 |
| Freitag | 13.15 | 20.15 | 7.30 |
| Samstag | 13.30 | 20.30 | 7.45 |
| Sonntag (neue Zeit) | 12.30 | 19.30 | 6.45 |
Verschiebt die Mahlzeiten in denselben Schritten mit. Und rechnet damit, dass die Kita eigene Zeiten hat: An Kita-Tagen lässt sich der Mittagsschlaf nicht verschieben. Konzentriert euch dann auf Abend und Morgen.
Was mit dem Mittagsschlaf passiert
Der Mittagsschlaf ist der empfindlichste Teil des Plans, weil er bestimmt, wie gross der Schlafdruck am Abend ist. Grundregel: Er wandert in 15-Minuten-Schritten in dieselbe Richtung mit wie alles andere.
Im Frühling rutscht er nach vorn und kollidiert schnell mit dem Mittagessen – zieht dann auch das Essen um 15 Minuten vor, statt den Schlaf zu kürzen. Im Herbst rutscht er nach hinten, was meist unproblematisch ist; achtet nur darauf, dass er nicht bis 15.30 Uhr hineinläuft, sonst wird der Abend zäh. Wenn ihr kürzen müsst, dann um höchstens 15 bis 20 Minuten und mit sanftem Wecken.
Bei Kindern, die den Mittagsschlaf gerade ablegen, ist die Umstellungswoche der schlechteste Zeitpunkt für Experimente. Wer an drei von sieben Tagen noch schläft, braucht diese Woche täglich ein Ruhefenster – auch wenn daraus nur ein Buch im Bett wird. Wie der Übergang gelingt, beschreiben wir beim Abgewöhnen des Mittagsschlafs.

Der Tag der Umstellung – und wie lange es realistisch dauert
Stellt die Uhren am Samstagabend um, bevor ihr selbst ins Bett geht, und lebt ab Sonntagmorgen konsequent nach der neuen Anzeige. Das klingt banal, ist aber der wirksamste Teil: Sobald ihr anfangt, im Kopf umzurechnen, verschiebt sich der ganze Tag.
Im Frühling heisst das: Weckt euer Kind am Sonntag zur normalen Uhrzeit, auch wenn die Nacht kurz war, frühstückt zur neuen Zeit und geht am Vormittag mindestens eine halbe Stunde nach draussen. Im Herbst heisst es: Lasst das Zimmer dunkel, holt euer Kind nicht um 5.45 Uhr aus dem Bett, zieht den Vormittag ruhig auf und geht dafür am späten Nachmittag noch einmal an die frische Luft.
Realistisch sind bei Kleinkindern drei bis sieben Tage, bei Schulkindern ein bis drei. Plant den Sonntag ohne Geburtstagsfest und ohne Zügeltermin und erwartet für Montag etwas mehr Quengeln – auch in der Kita. Wird das Einschlafen generell zum Thema, hilft der Beitrag wenn das Kind nicht einschläft.
Häufige Fehler – und wann es gar nicht an der Zeitumstellung liegt
Am Sonntag zu lange ausschlafen lassen. Damit verschiebt ihr die innere Uhr weiter in die falsche Richtung. Mehr als 30 Minuten über der Zielweckzeit sollten es nicht sein.
Den Mittagsschlaf ausfallen lassen. Die Rechnung «weniger Tagschlaf gleich müderes Kind» geht selten auf. Übermüdete Kinder schlafen schlechter ein und wachen nachts häufiger auf.
Bildschirmzeit als Wachhalter. Ein Film, damit das Kind durchhält, wirkt doppelt ungünstig: helles Licht zur falschen Zeit plus Anregung. Vorlesen oder ein Bad halten genauso wach.
Das Kind abends «durchhalten» lassen. Ein Kind, das um 18.45 Uhr müde Signale zeigt, ist um 19.45 Uhr nicht müder, sondern aufgedrehter.
Wenn es nicht an der Zeitumstellung liegt
Hellhörig werden solltet ihr, wenn euer Kind schon vorher regelmässig vor sechs Uhr wach war oder sich nach zwei Wochen nichts gebessert hat. Typische andere Ursachen: eine unpassende Zubettgehzeit, ein Mittagsschlaf, der nicht mehr zum Alter passt, Zahnen, ein Infekt, ein Kita-Eintritt oder ein Umzug. Mehr dazu im Beitrag wenn das Kind zu früh wach wird.
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Häufige Fragen zur Zeitumstellung mit Kindern
Wann wird in der Schweiz die Uhr umgestellt?
Am letzten Sonntag im März springt die Uhr um 02.00 Uhr auf 03.00 Uhr, die Nacht ist eine Stunde kürzer. Am letzten Sonntag im Oktober geht sie um 03.00 Uhr zurück auf 02.00 Uhr. Beide Termine fallen auf einen Sonntag.
Welche Zeitumstellung ist mit kleinen Kindern schwieriger?
Meist die im Oktober. Ein Kleinkind wacht zur gewohnten inneren Zeit auf, die Uhr zeigt dann aber eine Stunde weniger: Aus 6.45 Uhr wird 5.45 Uhr. Im Frühling ist vor allem das Einschlafen zäh.
Wann soll ich mit dem Verschieben beginnen?
Vier Tage vorher, also in der Regel am Mittwoch. Verschiebt Zubettgehzeit, Weckzeit, Mahlzeiten und Mittagsschlaf täglich um 15 Minuten in die Richtung, in die die Uhr springt. Zwei Tage mit je 30 Minuten gehen auch.
Wie lange dauert es, bis mein Kind umgestellt ist?
Rechnet bei Kleinkindern mit drei bis sieben Tagen, bei Schulkindern mit ein bis drei. Kinder mit sehr stabilem Rhythmus brauchen länger. Ist nach zwei Wochen nichts besser, liegt die Ursache meistens woanders.
Soll ich den Mittagsschlaf ausfallen lassen, damit mein Kind abends müder ist?
Nein, das geht meistens nach hinten los. Ein übermüdetes Kleinkind schläft schwerer ein, nicht schneller. Verschiebt den Mittagsschlaf lieber mit und kürzt ihn um höchstens 15 bis 20 Minuten.
Mein Kind wacht seit der Umstellung jeden Morgen um 5 Uhr – was hilft?
Prüft zuerst die Verdunkelung: Ein schmaler Lichtstreifen am Vorhangrand reicht zum Wecken. Haltet dann die Zielweckzeit ein und macht erst zu dieser Zeit Licht. Bleibt es dabei, schiebt die Zubettgehzeit in 15-Minuten-Schritten nach hinten.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine kinderärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden wendet euch an eure Kinderärztin oder euren Kinderarzt.








