Nachtschreck beim Kind: Was steckt dahinter und wie reagieren?

Nachtschreck beim Kind: Was steckt dahinter und wie reagieren?

Nachtschreck beim Kind: Was steckt dahinter und wie reagieren?

Es ist mitten in der Nacht. Euer Kind schreit laut, sitzt aufrecht im Bett, hat weit aufgerissene Augen – und reagiert nicht auf euch. Ihr versucht es zu beruhigen, aber es scheint euch nicht zu sehen. Nach einigen Minuten legt es sich einfach hin und schläft weiter. Am nächsten Morgen erinnert es sich an nichts.

Das ist Nachtschreck – und er ist erschreckender für die Eltern als für das Kind.

Was ist Nachtschreck?

Nachtschreck (medizinisch: Pavor nocturnus) ist eine Aufwachstörung. Das Kind erwacht nicht wirklich – es befindet sich in einem Zustand zwischen Tiefschlaf und Wachsein, in dem das Gehirn teilweise aktiv ist, das Bewusstsein aber noch schläft.

Nachtschreck ist kein Albtraum. Kinder träumen dabei nicht – sie erleben nichts Beängstigendes. Die intensive Reaktion (Schreien, Schwitzen, Herzklopfen) ist eine körperliche Reaktion des Nervensystems, keine emotionale.

Wie häufig ist Nachtschreck?

Das Universitäts-Kinderspital Zürich hält fest: Nachtschreck tritt bei 20 bis 40 Prozent aller Kinder zwischen 3 und 10 Jahren auf. Er ist am häufigsten zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr. Die meisten Kinder "entwachsen" dem Nachtschreck bis zur Pubertät.

Woran erkennt ihr Nachtschreck?

Merkmal Nachtschreck Albtraum
Zeitpunkt 1–3 Std. nach dem Einschlafen Zweite Nachthälfte
Zustand Nicht wirklich wach Wach, orientiert
Reaktion auf Eltern Nimmt euch nicht wahr Sucht Trost bei euch
Erinnerung Keine am nächsten Morgen Erinnert sich oft
Dauer 1–15 Minuten Kurz, dann wach
Schreien Laut, intensiv Weinen, rufen

Was löst Nachtschreck aus?

  • Schlafmangel: Übermüdete Kinder haben häufiger Nachtschreck
  • Unregelmässige Schlafzeiten: Der Rhythmus beeinflusst die Schlafarchitektur
  • Fieber: Erhöhte Körpertemperatur begünstigt Aufwachstörungen
  • Emotionaler Stress: Aufregung, neue Situationen, Veränderungen
  • Volle Blase: Harndrang kann Aufwachstörungen auslösen
  • Genetische Veranlagung: Nachtschreck tritt familiär gehäuft auf

Wie reagiert ihr richtig?

Das Wichtigste: Nicht wecken

Versucht nicht, euer Kind zu wecken. Das verlängert die Episode und kann zu Verwirrung und Angst führen. Euer Kind erlebt nichts Schlimmes – es braucht keine Rettung.

Sichern statt beruhigen

Bleibt ruhig in der Nähe und stellt sicher, dass euer Kind sich nicht verletzt. Wenn es sich bewegt, haltet es sanft – ohne festzuhalten. Sprecht ruhig und leise, auch wenn euer Kind nicht reagiert.

Warten

Die Episode dauert meist 1 bis 15 Minuten. Danach legt sich euer Kind von selbst hin und schläft weiter. Geht dann ebenfalls schlafen – euer Kind hat nichts erlebt und wird sich morgen an nichts erinnern.

Nicht ansprechen am nächsten Morgen

Sprecht am nächsten Tag nicht über den Nachtschreck. Das könnte euer Kind verunsichern oder ängstigen – obwohl es selbst nichts erlebt hat.

Wann zum Arzt?

Nachtschreck ist in den meisten Fällen harmlos und verschwindet von selbst. Sprecht mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, wenn:

  • Die Episoden sehr häufig auftreten (mehrmals pro Woche)
  • Euer Kind sich dabei verletzt oder das Zimmer verlässt
  • Die Episoden länger als 20 Minuten dauern
  • Nachtschreck nach dem zehnten Lebensjahr noch auftritt

Kann man Nachtschreck verhindern?

Vollständig verhindern lässt er sich nicht. Aber ihr könnt die Häufigkeit reduzieren:

  • Ausreichend Schlaf sicherstellen – Schlafmangel ist der grösste Auslöser
  • Regelmässige Bettgehzeiten einhalten
  • Stress und Aufregung am Abend vermeiden
  • Bei bekannten Auslösern: WC-Gang direkt vor dem Schlafen

Häufige Fragen zum Nachtschreck

Leidet mein Kind unter dem Nachtschreck?

Nein. Euer Kind erlebt während des Nachtschreckens nichts – es ist nicht wirklich wach und hat keine Erinnerung daran. Es leidet nicht.

Ist Nachtschreck gefährlich?

In der Regel nicht. Das Risiko besteht darin, dass sich euer Kind beim unkontrollierten Bewegen verletzt. Stellt sicher, dass das Bett sicher ist und keine Gegenstände in der Nähe sind.

Hört Nachtschreck von selbst auf?

Ja – die meisten Kinder entwachsen dem Nachtschreck bis zum zehnten Lebensjahr, viele schon früher.

Das Wichtigste auf einen Blick

Nachtschreck ist erschreckend für Eltern – aber harmlos für das Kind. Nicht wecken, sichern, warten. Die Episode dauert wenige Minuten und hinterlässt keine Erinnerung. Mit ausreichend Schlaf und regelmässigen Bettgehzeiten lässt sich die Häufigkeit reduzieren.

Quellen: Universitäts-Kinderspital Zürich, Zentrum für Schlafmedizin; Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM); Schulärztlicher Dienst Stadt Zürich, Stand 03/2025.